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El Niño 2026/27: Was der warme Pazifik für unser Winterwetter bedeutet

Gery Keller
Image: Die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik liegen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Source: iStock / danilovi.
Image: Die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik liegen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Source: iStock / danilovi.

Im tropischen Pazifik bahnt sich ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis an. Die Wassertemperaturen liegen deutlich über dem Durchschnitt, und die Auswirkungen auf das Wetter sind bereits in verschiedenen Teilen der Welt erkennbar. Doch was bedeutet das für den kommenden Winter in Europa? Müssen wir uns auf milde Temperaturen, heftige Stürme oder vielleicht sogar besonders viel Schnee einstellen?

Der Pazifik ist ungewöhnlich warm

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das alle paar Jahre auftritt. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich stärker als üblich. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Erwärmung verändert die Luftströmungen und Niederschlagsgebiete und kann dadurch das Wetter in weit entfernten Regionen beeinflussen.

In diesem Jahr fällt die Erwärmung besonders ausgeprägt aus. Nach Angaben der amerikanischen Wetterbehörde NOAA lagen die Wassertemperaturen Anfang Oktober im zentralen tropischen Pazifik rund 2,1 Grad über dem Durchschnitt. Vor der Westküste Südamerikas wurden regional sogar Abweichungen von fast 4 Grad gemessen.

Damit deutet vieles auf ein besonders starkes El-Niño-Ereignis hin. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwartet, dass El Niño mindestens bis Februar 2027 anhält. Seinen Höhepunkt könnte das Ereignis im Dezember erreichen.

Wenn der Pazifik das Wetter weltweit beeinflusst

Was zunächst nach einer ungewöhnlichen Erwärmung des Meerwassers klingt, hat weitreichende Auswirkungen.

Normalerweise treiben beständige Winde das warme Oberflächenwasser im tropischen Pazifik in Richtung Indonesien. Während eines El Niño schwächen sich diese Winde ab. Das warme Wasser breitet sich weiter nach Osten aus, und mit ihm verschieben sich auch die Gebiete, in denen sich besonders viele Gewitter und kräftige Niederschläge bilden.

Die Folgen können je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen.

So steigt während eines starken El Niño in manchen Gebieten die Gefahr von Starkregen und Überschwemmungen, während andere Regionen häufiger unter Trockenheit leiden. Für die kommenden Monate erwarten die Meteorologen beispielsweise mehr Regen in Teilen Ostafrikas und Südamerikas. In Teilen Indiens und Mittelamerikas könnten dagegen trockenere Bedingungen überwiegen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass jede Region zwangsläufig genau dieses Wetter erleben wird. El Niño verändert vor allem die Wahrscheinlichkeiten bestimmter Wetterlagen.

Und wie sieht es bei uns in Europa aus?

Für Europa ist der Zusammenhang deutlich komplizierter als in vielen tropischen Regionen.

Zwar kann ein starker El Niño auch die großräumigen Luftströmungen über dem Atlantik und Europa beeinflussen. Allerdings spielen dabei weitere Faktoren eine wichtige Rolle, etwa die Lage und Stärke der Westwindströmung über dem Nordatlantik.

Nach Einschätzung des britischen Wetterdienstes Met Office können El-Niño-Ereignisse im Herbst und zu Beginn des Winters häufiger mit nassen und stürmischen Wetterlagen in Nordwesteuropa verbunden sein.

In der zweiten Winterhälfte können sich die Verhältnisse jedoch ändern. Unter bestimmten Bedingungen steigt dann auch die Wahrscheinlichkeit für winterliche Kältephasen in Teilen Europas.

Für die Schweiz, Deutschland und Österreich lässt sich daraus aber keine eindeutige Winterprognose ableiten. Ein starker El Niño bedeutet weder automatisch einen milden Winter noch besonders viel Schnee in den Alpen.

Wird der Winter 2026/27 also mild oder kalt?

Diese Frage lässt sich Anfang November noch nicht zuverlässig beantworten.

El Niño ist zwar einer der wichtigen Einflussfaktoren auf das weltweite Wettergeschehen. Für unser Winterwetter kommt es aber vor allem darauf an, wie sich die Hoch- und Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik und Europa in den nächsten Monaten entwickeln.

Gerade in Mitteleuropa können bereits kleine Veränderungen der großräumigen Luftströmung darüber entscheiden, ob milde Atlantikluft oder kalte Luft aus dem Norden und Osten vorherrscht.

Fest steht: Der tropische Pazifik dürfte in diesem Winter einen besonders starken Einfluss auf das weltweite Wetter ausüben. Ob und wie deutlich wir davon in der Schweiz und im übrigen Mitteleuropa etwas spüren werden, bleibt jedoch offen.

El Niño gibt gewissermaßen den Takt vor – aber Europa spielt beim Wetter seine eigene Melodie.

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